Der passende Selbstretter muss Ihre erforderliche Fluchtdauer unter den zu erwartenden Einsatzbedingungen sicher abdecken.
Die wichtigsten Zahlen vorab: CARBO 30 und CARBO 60 erreichen laut DEZEGA mindestens 30 beziehungsweise 60 Minuten Betriebsdauer bei 35 l/min Atemminutenvolumen gemäß EN 13794:2002. Für das EmSCAPE werden bei 35 l/min Atemminutenvolumen gemäß EN 13794:2002 mindestens 15 Minuten und gemäß ISO 23269-1:2008 mindestens 30 Minuten angegeben.
Diese Kaufberatung unterstützt Sie bei der Vorauswahl. Die Entscheidung für einen Selbstretter muss zu Ihrer Gefährdungsbeurteilung und Ihrem Fluchtkonzept passen. Besonders im Berg- und Tunnelbau lohnt es sich, die Anforderungen vor einer Angebotsanfrage zusammenzuführen: Welche Strecke müssen Personen bewältigen, unter welchen Bedingungen und bis zu welchem sicheren Ziel?
Selbstretter: Welche Anforderungen stellt Ihr Fluchtweg?
Beginnen Sie bei allen möglichen Einsatzanforderungen, für die Sie Geräte beschaffen wollen. Prüfen Sie auch innerhalb eines Projekts, ob alle betroffenen Arbeitsbereiche dieselben Anforderungen stellen. Die folgenden Auswahlfragen unterstützen ebenso die Vorbereitung einer Anfrage für den Bergbau. Die hier herangezogenen DAUB-Empfehlungen (Deutsche Ausschuss für Unterirdisches Bauen e. V. )beziehen sich jedoch auf Untertagebaustellen; bergbauspezifische Rahmenbedingungen sind gesondert zu berücksichtigen.
Für die Auswahl nennt die DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung )unter anderem Schadstoffart und -konzentration, möglichen Sauerstoffmangel, thermische Einwirkungen sowie Beschaffenheit und Länge des Fluchtwegs. Fluchtgeräte dienen der Selbstrettung; sie sind keine Arbeitsgeräte für einen geplanten Einsatz in einem potentiellen Gefahrbereich.
Fluchtziel, Wegverlauf und körperliche Belastung erfassen
Beschreiben Sie zunächst Start- und Zielpunkt der vorgesehenen Flucht. Wohin sollen Beschäftigte gelangen, wenn die Atmosphäre am Arbeitsplatz nicht mehr atembar ist? Betrachten Sie anschließend den gesamten Weg dorthin und halten Sie die Randbedingungen fest.
Für Ihre Anfrage ist eine kurze, nachvollziehbare Beschreibung hilfreicher als die Angabe „kurzer Tunnel“ oder „langer Fluchtweg“. Dokumentieren Sie beispielsweise Streckenabschnitte, Höhenunterschiede und die Grundlage Ihrer Zeitermittlung. So lässt sich im Beratungsgespräch erkennen, welche Angaben bereits belastbar sind und wo eine genauere Bewertung nötig ist.
Die DAUB-Empfehlungen für Untertagebaustellen berücksichtigen ausdrücklich Bodenverhältnisse, Durchgangsquerschnitte, Steigungen, Schächte und Hindernisse. Die Haltezeit des ausgewählten Geräts muss die benötigte Fluchtdauer sicher überschreiten. Auch bei vorgesehenen Fluchtfahrzeugen muss die Selbstrettung zu Fuß möglich bleiben, gegebenenfalls sind entsprechend zusätzliche oder andere Geräte auszuwählen.
Personen, Bereitstellung und Schutzausrüstung einbeziehen
Klären Sie, wer die Geräte benötigt und wie diese Personen darauf zugreifen. Dazu gehören gegebenenfalls auch Besucher und Beschäftigte anderer Unternehmen. Die DGUV unterscheidet persönlich zugeteilte und bevorratete Geräte; bei einer stationärer Bereitstellung muss die leichte und sichere Erreichbarkeit sichergestellt sein.
Nehmen Sie diese Fragen in Ihre Beschaffung auf:
- Wer gehört zum vorgesehenen Nutzerkreis, und wie viele Personen sind gleichzeitig betroffen?
- Soll das Gerät während der Arbeit mitgeführt werden oder an einer festgelegten Stelle bereitliegen?
- Welche Helme, Brillen und weitere Schutzausrüstungen werden verwendet?
- Wie werden Ausgabe, Rücknahme, Zustandskontrolle, gegebenenfalls Wartung und Prüfung organisiert?
Lassen Sie sich die vorgesehene Konfiguration erklären und nutzen Sie geeignete Trainingsgeräte, um offene Fragen zur Handhabung praktisch zu klären. Eine allgemeine Produktbeschreibung beantwortet noch nicht, ob die Lösung zu Ihren betrieblichen Abläufen passt.
Was bedeuten 15, 30 oder 60 Minuten bei einem Selbstretter?
Zeitangaben sind nur mit ihrer Bezugsgrundlage aussagekräftig. Prüfen Sie bei jedem Vergleich, zu welchem Gerät, welcher Norm und welcher Veratmung ein Wert gehört. Die Veratmung bezeichnet hier das pro Minute veratmete Gasvolumen. Die Zeitwerte sind stets zusammen mit dieser Norm-Prüfbedingung zu lesen.
Bei CARBO 30 und CARBO 60 weist DEZEGA darauf hin, dass die Dauer unter tatsächlichen Fluchtbedingungen von körperlicher Aktivität und individuellen physiologischen Voraussetzungen abhängt. Eine nominelle Leistungsangabe ist deshalb keine persönliche Zeitgarantie. Deshalb muss die Haltezeit des ausgewählten Gerätes die benötigte Fluchtdauer sicher überschreiten.
Warum bei EmSCAPE der Normbezug entscheidend ist
Die angegebenen zwei Mindestwerte für 35 l/min Atemminutenvolumen gehören zum selben Gerät, haben aber unterschiedliche normative Bezugsgrundlagen: 30 Minuten nach ISO 23269-1:2008 und 15 Minuten nach EN 13794:2002. Beide Angaben gehören zum selben Gerät, haben aber unterschiedliche normative Bezugsgrundlagen.
Für Ihre Kaufentscheidung bedeutet das: Fragen Sie nach dem für Ihre Anwendung maßgeblichen Nachweis. Ein Vergleich, der EmSCAPE und CARBO 30 lediglich unter „30 Minuten“ zusammenfasst, lässt eine entscheidende Information weg. Ob die Haubenlösung für Ihren konkreten Einsatz infrage kommt, muss gesondert geprüft werden.
Warum Wartezeiten keine Fluchtzeiten sind
Für CARBO 30 nennt DEZEGA bei 10 l/min Atemminutenvolumen mindestens 90 Minuten, für CARBO 60 mindestens 180 Minuten als Zeitspanne für „auf Rettung wartend“/ „Warten auf Hilfe”. Diese Angaben haben eine andere Belastungsgrundlage als die Werte bei 35 l/min Atemminutenvolumen.
Verwenden Sie die längeren Zeitwerte daher nicht als Grundlage für eine körperlich belastende Flucht. Stellen Sie in Anfragen und Angebotsvergleichen klar, welche Angabe Sie benötigen. Das vermeidet Missverständnisse, wenn Datenblätter mehrere Leistungszeiten nebeneinander nennen.
EmSCAPE, CARBO 30 und CARBO 60 im technischen Vergleich
Alle drei Modelle sind chemische Sauerstoffgeräte mit geschlossenem Atemkreislauf. Die Herstellerunterlagen beschreiben jedoch unterschiedliche Atemanschlüsse und Einsatzschwerpunkte. Für die Auswahl sollten diese Unterschiede neben der Nenndauer sichtbar bleiben.
CARBO 30 ist die näher zu prüfende Option, wenn die Bewertung Ihres Fluchtwegs eine ausreichende zeitliche Abdeckung mit diesem Gerät ergibt. Die Herstellerbeschreibung nennt kurze Fluchtwege und das tägliche Mitführen als Anwendungsbezug. Das ist ein Ausgangspunkt für die Beratung, keine allgemeine Freigabe für eine bestimmte Weglänge.
CARBO 60 bietet unter der genannten Norm-Prüfgrundlage eine längere Betriebsdauer. Daraus ergibt sich eine zusätzliche Auswahlmöglichkeit, wenn CARBO 30 die Anforderungen nicht ausreichend abdeckt. Prüfen Sie zugleich das Fluchtkonzept: Mehr nominelle Zeit beantwortet nicht jede Frage zur Erreichbarkeit des sicheren Ziels.
EmSCAPE bringt als Haubenlösung einen anderen Atemanschluss in den Vergleich ein. DEZEGA beschreibt eine Haube mit integrierter Halbmaske und ein Sichtfenster. Prüfen Sie EmSCAPE deshalb anhand der konkreten Anforderungen an Atemanschluss und Leistungsdauer; eine pauschale Eignung für jeden Berg- oder Tunnelbaueinsatz lässt sich daraus nicht ableiten. Weiterführende
Produktinformationen finden Sie hier:
https://bartels-rieger.de/BartelsRieger/Wissen/BartelsRieger-Insights/LandingPage-DEZEGA/
Entscheidungsmatrix:
Welcher Selbstretter kommt für Ihren Fluchtweg infrage?
Die folgende Matrix hilft Ihnen, das Beratungsgespräch vorzubereiten. Sie benennt die Informationen, die vor einer Bestellung geklärt sein sollten. Die Zuordnungen sind eine redaktionelle Ableitung aus den Herstellerangaben und den fachlichen Auswahlkriterien. Eine Freigabe für Ihren Einsatz ergibt sich daraus nicht.
Warum nicht grundsätzlich das Gerät mit der längsten Nenndauer wählen?
Eine längere Betriebsdauer kann für Ihre Planung wichtig sein. Sie sollte dennoch Teil einer begründeten Auswahl bleiben. Lassen Sie sich erklären, welche Ausführung angeboten wird, wie sie getragen wird und wie sie sich in Ihre Bereitstellung einfügt. Fragen Sie auch, ob unterschiedliche Arbeitsbereiche denselben Bedarf haben.
Ebenso wenig sollte ein kurzer Weg automatisch zum kleineren Gerät führen. Wenn Ihnen lediglich eine geschätzte Gehzeit vorliegt, klären Sie vor der Auswahl, ob diese auch die erschwerten Bedingungen des vorgesehenen Fluchtszenarios berücksichtigt (z.B. Höhenunterschiede, enge Bereiche, zusätzliche persönliche Schutzausrüstung usw.).
Was Sie bei Beschaffung und Betrieb zusätzlich berücksichtigen sollten
Eine Bestellung legt nicht nur ein Modell und eine Stückzahl fest. Bereiten Sie zugleich vor, wie die Geräte im Betrieb verwaltet werden. Benennen Sie Zuständigkeiten und fragen Sie die dafür benötigten Leistungen ausdrücklich an, sofern Sie diese Leistungen nicht in eigener Verantwortung durchführen können. Gegebenenfalls benötigte Ausbildungskosten sollten ebenfalls Berücksichtigung finden. Das erleichtert später auch den Vergleich mehrerer Angebote.
Anlegen und Benutzung trainieren
Die Benutzer-Handbücher verlangen eine Ausbildung einschließlich praktischer Schulung. Für EmSCAPE empfiehlt DEZEGA ausdrücklich Training mit EmSCAPE-T. Unternehmen haben nach § 3 Abs. 1 „PSA-Benutzungsverordnung“ (PSA-BV) in Verbindung mit § 31 DGUV Vorschrift 1 dafür zu sorgen, dass die Versicherten anhand der Betriebsanweisung vor der ersten Benutzung und danach wiederholt nach Bedarf, mindestens jedoch einmal jährlich, in einer theoretischen Unterweisung und praktischen Übungen unterwiesen werden (Auszug aus der DGUV Regel 112-190 - 7 Ausbildung, Fortbildung und Unterweisung). In den DAUB-Empfehlungen für Untertagebaustellen ist die Unterweisung jeder Person in die bestimmungsgemäße Benutzung vorgesehen.
Wenn Sie den Schulungsaufwand erleichtern möchten, klären Sie frühzeitig Organisation und Zuständigkeit. Fragen Sie nach passenden Trainingsgeräten und dem Umfang einer angebotenen Schulung. Berücksichtigen Sie dabei auch neue Beschäftigte und wechselnde Personengruppen.
Verlangen Sie bei einem Angebot eine klare Trennung zwischen Einsatz- und Trainingsgeräten. So bleibt erkennbar, welche Positionen der Notfallausstattung dienen und welche für die praktische Vorbereitung vorgesehen sind.
Prüfungen, Lebensdauer und Austausch planen
EmSCAPE, CARBO 30 und CARBO 60 sind laut ihren Gebrauchsanleitungen für einmalige Aktivierung und Verwendung vorgesehen. Planen Sie deshalb auch die Ersatzbeschaffung nach einem Einsatz ein.
Die Gebrauchsanleitungen für CARBO 30 und CARBO 60 sehen tägliche und regelmäßige Inspektionen vor. Eine lange Lager- oder Lebensdauer bedeutet daher nicht, dass ein Gerät ohne Zustandskontrollen einsatzbereit gehalten werden kann. Maßgeblich sind die zur gelieferten Ausführung gehörenden Anweisungen und Kennzeichnungen.
Lassen Sie sich für die angebotenen Geräte erläutern, welche Prüfungen erforderlich sind, wer sie durchführen darf und wie sie dokumentiert werden. Fragen Sie auch nach dem Vorgehen bei Beschädigungen, abgelaufener Lebensdauer oder einem geöffneten Gerät. Zuständigkeiten sollten vor der Ausgabe feststehen.
Bei EmSCAPE ist laut Hersteller die zehnjährige Haltbarkeit an eine Prüfung ausgewählter Geräte der gelieferten Charge im achten Jahr durch ein autorisiertes DEZEGA-Servicezentrum geknüpft. Auch hier sollte das Angebot die vorgesehenen Bedingungen eindeutig zuordnen.
Angebote über den Anschaffungspreis hinaus vergleichen
Der Gerätepreis ist eine wichtige Beschaffungsgröße. Für einen aussagekräftigen Vergleich sollten Sie jedoch wissen, welche Bestandteile eingeschlossen sind und welche separat angeboten werden.
Bitten Sie deshalb um getrennte Angaben zu Geräten und Ausführungen, Tragezubehör, Trainingsgeräten, Schulung sowie gegebenenfalls Prüf- und Serviceleistungen. Fragen Sie außerdem nach den Bedingungen für Ersatzbeschaffung und Entsorgung. Welche Positionen Sie tatsächlich benötigen, hängt von Ihrer Ausstattung und betrieblichen Organisation ab.
Ein günstigerer Einzelpreis ist nur dann sinnvoll einzuordnen, wenn Sie denselben Lieferumfang vergleichen. Umgekehrt rechtfertigt ein umfangreicheres Angebot nicht automatisch jede Zusatzleistung. Lassen Sie den Nutzen jeder Position für Ihren konkreten Bedarf erläutern.
Welche Angaben benötigt BartelsRieger für Ihre Anfrage?
BartelsRieger vertreibt DEZEGA-Atemschutzgeräte und unterstützt bei Produktauswahl, Training, Prüfung und technischer Betreuung. Für Ihre Anfrage sind deshalb sowohl das gewünschte Gerät als auch die Einsatzbedingungen relevant.
Sie müssen sich vor der Kontaktaufnahme noch nicht auf EmSCAPE, CARBO 30 oder CARBO 60 festgelegt haben. Teilen Sie mit, welche Informationen vorliegen und welche Entscheidung Sie gemeinsam vorbereiten möchten.
Diese Angaben helfen bei der Einordnung:
- Einsatzbereich: Bergbau oder Tunnelbau, Standort und vorgesehener Arbeitsbereich.
- Fluchtweg: Startpunkt, sicheres Ziel, Strecke, Höhenunterschiede und besondere Passagen.
- Zeitbedarf: vorhandene Fluchtzeitermittlung einschließlich ihrer Annahmen und offenen Punkte.
- Gefährdungen: die für die Auswahl relevanten Ergebnisse Ihrer Gefährdungsbeurteilung.
- Personen und Bereitstellung: Anzahl der Nutzer sowie geplantes Mitführen oder Bereithalten.
- Reservegeräte: Um die Einsatzbereitschaft jederzeit gewährleisten zu können.
- Vorhandene Ausrüstung: bereits eingesetzte Geräte und die gemeinsam getragene Schutzausrüstung.
- Gewünschter Umfang: Geräteberatung, Angebot, Trainingsausstattung und gegebenenfalls weitere Leistungen.
Falls einzelne Angaben fehlen, kennzeichnen Sie diese in Ihrer Nachricht. Sie können eine erste Anfrage auch nutzen, um den weiteren Informationsbedarf abzustimmen.
Sie möchten EmSCAPE, CARBO 30 und CARBO 60 für Ihren Bedarf einordnen oder ein Angebot erhalten?
Senden Sie BartelsRieger Ihre Einsatzdaten und offenen Fragen über das Kontaktformular. Damit schaffen Sie die Grundlage für eine gezielte Beratung und eine passende Angebotsanfrage.